Erfahrungsbericht – Wie man das Startup Weekend Stuttgart gewinnt

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(by Daniel Bartel)

Als Teil des Gewinnerteams des Startup Weekend Stuttgart 2010 möchte ich heute von unseren Erfahrungen berichten. Aufmerksam auf das Event wurde ich durch ein Plakat in der Uni-Mensa während meines Dualen Studiums bei IBM. Da ich selber einmal eine Webagentur gegründet hatte, war mir das Thema nicht ganz unbekannt. Angemeldet hatte ich mich dann aber eher aus Neugier, weil ich damals noch fest entschlossen war, nach meinem Studium die Beraterlaufbahn beim IT-Riesen einzuschlagen.
Doch dann kam alles anders!

Ohne wirklich zu wissen, was mich eigentlich erwartet, bin ich im September 2010 beim Startup Weekend in den Räumen des Stuttgarter Coworkingspace erschienen. Drei Ideen hatte ich im Gepäck. Plötzlich rief auch schon jemand: „Aufstellen zum Pitchen!“. Als einer der Jüngsten entschloss ich mich mit meiner besten Idee anzutreten: myPad. Hierbei handelt es sich um ein Konzept für das individuelle Produzieren von Kaffeepads sowie -kapseln nach dem „myMuesli-Prinzip“. Nach 90 Sekunden Rampenlicht und vielen weiteren hochinteressanten Pitches ging es zum Abendbuffet. Zeit zum Kauen gab es jedoch nicht wirklich: Man musste nun die anderen Teilnehmer von seiner Idee in Einzelgesprächen überzeugen – mit dem Ziel diese als Teammitglieder zu gewinnen. So traf ich dann auf Kathleen Fritzsche und Markus Gößler, welche sich neben ein paar anderen Neugierigen auch von mir weitere Infos abholten. Von nun an waren wir Drei ein Team!

Noch am selben Abend entwickelten wir ein gemeinsames Verständnis von myPad, bevor wir den Abend in der Innenstadt gemütlich ausklingen ließen. Am Samstag und Sonntag werkelten wir gestärkt vom tollen Frühstück und mit viel Humor an unserem gemeinsamen „Baby“ – bis Franck Nouyrigat, einer der Initiatoren der Startup Weekends, uns zum x-ten-mal bat doch endlich an unserer Abschlusspräsentation zu arbeiten. Wenige Stunden später ernannte die Jury myPad zu den Siegern, knapp vor der genialen Idee Städtekrimi! Ich persönlich hatte nicht wirklich damit gerechnet, aber insbesondere die Harmonie des Teams und die Ausgewogenheit unserer fünfminütigen Präsentation haben uns laut Jury auf das oberste Treppchen gebracht!

Zurückblickend waren folgende Punkte aus unserer Sicht mitentscheidend (neben der Tatsache, dass aufgrund der Anzahl an Teilnehmer die Gewinnchance damals natürlich relativ hoch war):

  • Kurze Vorbereitung: Es braucht nicht viel, um beim Startup Weekend zu pitchen. Innerhalb der kurzen Präsentationszeit muss man schnell auf den Punkt kommen: Wer ist die Zielgruppe, was ist der Kundennutzen und wie generiert dieser „runde Schuh“ am Ende Umsatz. Vergesst bunte Foliensätze, denn das einzige Hilfsmittel ist ein Mikrofon.
  • Seid offen: Man muss Freitag-Abend ein Team an Land ziehen! Think Big – die Vision ist entscheidend und nicht jedes Detail des Geschäftsmodells. Dafür ist das Wochenende gedacht. Eine tolle Hilfestellung, das Geschäftsmodell später im neugewonnenen Team erklären und auszuarbeiten, bietet das Business Model Canvas.
  • Trefft Entscheidungen zügig: Während der Teamarbeit sollten Endlos-Diskussionen vermieden werden. Es verbleiben weniger als 54 Stunden um ein überzeugendes Geschäftsmodell zu präsentieren! Die Suche nach einen Namen ist zweitrangig; hier eignet sich besser ein Projektname. Dies vermeidet Streit und voreilige Domainregistrierungen.
  • Lernt die Stärken der einzelnen Teammitglieder kennen. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Man sollte dies in einem möglich multi-disziplinären Team von Anfang an offen zeigen, sich gegenseitig vertrauen und nie mit verdeckten Karten spielen. So kann man die Arbeiten von Anfang an effektiv verteilen und erlebt nach dem Wochenende, wenn es in die nächste Phase des Startups geht, keine bösen Überraschungen.
  • It’s all about Fun! Wir hatten das Event zu keinem Zeitpunkt als Wettbewerb angesehen. Für mich war es einfach ein unvergessliches und unterhaltsames Wochenende! Ernst wird es immer noch – so hat das Wochenende im Nachhinein meinen geplanten Werdegang komplett umgekrempelt.

Doch der wichtigste Punkt, den ich mitgeben möchte, lautet: Glaubt an die Idee, selbst wenn am Abend kein Team zusammenkam! Im Frühjahr 2011 haben wir die Arbeiten an myPad aus verschiedenen Gründen leider einstellen müssen. Seitdem arbeiten Markus und ich beim Startup Autonetzer.de, eine private Carsharing-Community. Diese Idee wurde ebenfalls auf dem Startup Weekend 2010 gepitcht, fand aber leider kein Team. Doch im Gegensatz zu den anderen Gewinnerteams wurde Autonetzer.de nun realisiert und somit wurde zusammen mit der Ideenschmiede Sebastian Ballweg nachträglich zum hidden Champion des Stuttgarter Startup Weekends 2010.

Man sieht also, auf einem Startup Weekend ist alles möglich! Ich drücke allen Teilnehmern ganz fest die Daumen!

Startup Weekend Stuttgart 21010 (by @ha75)
Startup Weekend Stuttgart 21010 (by @ha75)
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